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Auf das Löten bezogene Fragenkomplexe, die dabei helfen, die technischen Aspekte des Lötens zu verstehen, wie Löten funktioniert und warum. zusammen mit nützlichen Hinweisen und Tipps.

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Sachgerechtes Vorgehen beim Löten

Die Bedeutung von fachgerechten Verfahrensweisen

Wir haben gesagt, dass eine Lötverbindung "'von selbst" entsteht - bzw., dass der Kapillareffekt mehr als die Fertigkeit des Bedieners für die Verteilung des Lots in der Lötfuge sorgt. Die eigentliche Kunst besteht in dem Entwerfen und der technischen Planung der Verbindung. Aber selbst eine fachgerecht konzipierte Lötverbindung kann sich als nicht zufrieden stellend erweisen, wenn beim Löten die korrekte Vorgehensweise nicht befolgt wird. Diese Vorgehensweise lässt sich anhand von sechs grundsätzlichen Schritten beschreiben. Sie sind im allgemeinen einfach auszuführen (einige benötigen vielleicht nur ein paar Sekunden), aber wenn sie auf solide, feste, sauber aussehende Lötverbindungen aus sind, sollte bei Ihren Lötarbeiten keiner davon übergangen werden. Der Einfachheit halber werden wir diese sechs Schritte hauptsächlich anhand des manuellen Lötens besprechen, d.h. des Löten mit einem Lötbrenner in der Hand und mit manueller Lotzuführung. Aber alles, was zum manuellen Löten gesagt wird, gilt genauso gut für das Löten in der Massenproduktion. Es sind die gleichen Schritte auszuführen, wenn auch vielleicht auf andere Weise.

Schritt 1: Gute Passform und richtige Abstände

Beim Löten wird, wie wir gesehen haben, das Prinzip der Kapillarwirkung angewendet, um das geschmolzene Lot zwischen den Oberflächen der Grundmetalle zu verteilen. Daher sollten Sie während des Lötvorgangs darauf achten, einen Abstand zwischen den Grundmetallen zu bewahren, damit die Kapillarwirkung sich optimal entfalten kann. Das bedeutet - in fast allen Fällen - dass der Abstand eng sein sollte. Das folgende Diagramm beruht auf dem Löten von Stoßverbindungen von rostfreiem Edelstahl unter Verwendung des Easy-Flo-Lots von Handy & Harman. Es zeigt, wie die Zugfestigkeit der Lötverbindung mit der Größe des Abstands zwischen den verlöteten Teilen variiert.

Beachten Sie, dass die festeste Verbindung (135.000 psi/930,8 MPa) erzielt wird, wenn der Fugenabstand 0,0015" (0,038mm.) beträgt. Bei einem kleineren Abstand ist es für das Lot schwerer, sich ausreichend in der gesamten Fuge zu verteilen, und die Festigkeit der Lötverbindung sinkt. Wenn umgekehrt die Lücke größer ist, als erforderlich, sinkt die Festigkeit der Lötverbindung fast bis zu der Festigkeit des Lotmetalls selbst. Zudem wird die Kapillarwirkung verringert, so dass das Lot möglicherweise die Fuge nicht vollständig ausfüllt - was auch wieder die Verbindungsfestigkeit herabsetzt. Somit liegt bei dem oben genannten Beispiel der ideale Abstand für Lötfugen im Bereich von 0,0015" (0,038mm.) Beim gewöhnlichen, alltäglichen Löten müssen Sie allerdings nicht derart genau sein, um eine ausreichend feste Verbindung zu erhalten. Die Kapillarkräfte wirken über eine Bandbreite von Fugenabständen, Sie verfügen also über einen gewissen Spielraum. Wenn Sie sich das Diagramm noch einmal ansehen, dann stellen Sie fest, dass Abstände im Bereich von 0,001" bis 0,005" (0,025 mm bis 0,127 mm) immer noch Verbindungen mit einer Zugfestigkeit von 100.000 psi (689,5 MPa) hervorbringen. Ins praktische Alltagsgeschäft übertragen heißt das - eine leicht gleitende Passform verschafft Ihnen eine vollkommen ausreichende Lötverbindung zwischen zwei Rohrteilen. Und wenn Sie zwei flache Teile zusammenfügen, können Sie einfach eins auf das andere legen. Die Berührung von Metall zu Metall ist alles, was Sie normalerweise an Abstand benötigen, da durchschnittliches '"pressblankes" Metall genügend Oberflächenrauhigkeit bietet, um "Kapillarwege" für das geschmolzene Lot zu schaffen (Hochglanzpolierte Oberflächen neigen demgegenüber dazu, den Lotfluss einzuschränken). Es gibt allerdings einen besonderen Faktor, den Sie bei der Planung Ihrer Fugenabstände sorgfältig berücksichtigen sollten. Lötverbindungen werden bei Löttemperaturen hergestellt, nicht bei Raumtemperatur. Sie müssen also den "Wärmeausdehnungskoeffizienten" der zu verlötenden Metalle mit einkalkulieren. Dies trifft in besonderem Maße auf röhrenförmige Baugruppen zu, in denen verschiedenartige Metalle verlötet werden. Sagen wir zum Beispiel, Sie verlöten eine Buchse aus Messing mit einer Hülse aus Stahl. Messing dehnt sich beim Erwärmen stärker aus, als Stahl. Wenn Sie also die Teile maschinell so bearbeiten, dass bei Raumtemperatur der Abstand 0,002"-0,003" (0,051 mm-0,076 mm) beträgt, hat sich zu dem Zeitpunkt, da Sie die Teile bis auf Löttemperatur erhitzt haben, der Spalt womöglich vollständig geschlossen! Die Antwort? Räumen Sie einen größeren Anfangsabstand ein, so dass die Spaltbreite bei Löttemperatur etwa 0,002"-0,003" (0,051 mm-0,076 mm) beträgt.

Natürlich gilt das gleiche Prinzip auch umgekehrt. Wenn das äußere Teilstück aus Messing besteht und das innere aus Stahl, können Sie bei Raumtemperatur praktisch mit einer leicht kraftschlüssigen Passung beginnen. Zu dem Zeitpunkt, da Sie die Löttemperatur erreichen, hat die schnellere Ausdehnung des Messings einen zweckdienlichen Abstand erzeugt.

Wieviel an Ausdehnung bzw. Zusammenziehung sollten Sie berücksichtigen? Das hängt von der Art und den Abmessungen der zu verlötenden Metalle ab sowie von der Gestaltung der Verbindung selbst. Auch wenn bei einer genauen Berechnung der Toleranzen für die Fugenabstände in jeder Situation viele Variablen eine Rolle spielen, sollten Sie immer an das Grundprinzip denken - verschiedene Metalle dehnen sich bei Erwärmung unterschiedlich schnell aus. Als Hilfestellung bei Ihrer Planung von geeigneten Fugenabständen beim Verlöten von ungleichartigen Metallen, bietet die Vergleichstabelle für die Ausdehnungskoeffizienten von Materielien die Wärmeausdehnungskoeffizienten für eine Vielfalt von Metallen und Legierungen.

Schritt 2: Die Metalle reinigen

Die Kapillarwirkung kommt nur dann richtig zum Tragen, wenn die Oberflächen der Metalle sauber sind. Wenn sie verschmutzt sind - überzogen mit Öl, Fett, Rost, Oxidkrusten oder einfach nur Dreck - dann müssen solche Verschmutzungen entfernt werden. Wenn sie zurückbleiben, bilden sie eine Sperrschicht zwischen dem Grundmetall und den Lötmitteln. Ein ölverschmiertes Grundmetall weist z.B. das Flussmittel ab, wodurch unbedeckte Stellen zurückbleiben, die bei Hitze oxidieren und zu Lücken führen. Öl und Fett verkohlen beim Erhitzen und bilden dadurch eine Schicht, über die das Lot nicht fließen kann. Und Hartlote haften nicht an einer rostigen Oberfläche. Die Metallteile zu reinigen ist meistens keine schwierige Arbeit, sie muss aber in der richtigen Reihenfolge erfolgen. Öl und Fett sollten zuerst entfernt werden, weil eine saure Beizlösung zum Entfernen von Rost und Oxidkrusten auf fettigen Oberflächen nicht wirksam ist (Falls Sie versuchen sollten, Rost oder Oxidkrusten mit Scheuermitteln zu entfernen, bevor Sie das Öl beseitigt haben, läuft es darauf hinaus, dass Sie das Öl ebenso wie feines Scheuerpulver tiefer in die Oberfläche reiben). Beginnen Sie damit, dass Sie Öl und Fett beseitigen. In den meisten Fällen können Sie das sehr leicht bewerkstelligen, entweder, indem Sie die Teile in ein geeignetes entfettendes Lösungsmittel tauchen, durch Dampfentfettung oder durch Reinigung mit wässrigen Laugen. Wenn die Metalloberflächen mit Oxiden oder Oxidkrusten überzogen sind, können Sie solche Verschmutzungen chemisch oder mechanisch entfernen. Führen Sie für eine chemische Entfernung eine Behandlung mit saurer Beize durch und achten Sie unbedingt darauf, dass die Chemikalien sich mit den zu reinigenden Grundmetallen vertragen und dass keine Säurespuren in Rissen oder Sacklöchern zurückbleiben. Ein mechanisches Entfernen verlangt nach einer Reinigung mit Scheuermitteln. Vor allem beim Reparaturlöten, wo die Teile möglicherweise sehr verschmutzt oder stark verrostet sind, können Sie den Reinigungsvorgang beschleunigen, indem Sie Schleifpapier, Schleifscheiben oder Sandstrahlgebläse verwenden, gefolgt von einem Spülgang. Sobald die Teile gründlich gereinigt sind, ist es ratsam, so bald wie möglich das Flussmittel aufzubringen und mit dem Löten zu beginnen. Auf die Weise besteht die geringste Gefahr, dass die Oberflächen durch Fabrikstaub oder beim Hantieren durch Hautfett erneut verschmutzt werden.

Schritt 3: Auftragen eines Flussmittels auf die Fügeteile

Ein Flussmittel ist eine chemische Verbindung, die vor dem Löten auf die Oberflächen der Lötstelle aufgetragen wird. Seine Verwendung ist beim Lötvorgang unbedingt erforderlich (mit wenigen Ausnahmen, auf die später hingewiesen wird). Der Grund? Die Erwärmung einer Metalloberfläche beschleunigt die Bildung von Oxiden, das Ergebnis der Bildung von chemischen Bindungen zwischen dem heißen Metall und dem Luftsauerstoff. Die Bildung dieser Oxide muss verhindert werden, sonst hindern sie das Lotmetall daran, die Oberfläche zu benetzen und daran zu haften. Ein Flussmittelauftrag im Bereich der Lötstelle schirmt jedoch die Oberflächen von der Luft ab und verhindert so die Oxidbildung. Und das Flussmittel löst und absorbiert auch alle Oxide, die sich während des Aufheizens bilden oder die beim Reinigungsprozess nicht vollständig entfernt wurden. Wie tragen Sie das Flussmittel auf die Lötstelle auf? Auf jede Ihnen mögliche Weise, solange Sie die Oberflächen vollständig bedecken. Da Flussmittel herkömmlicherweise die Konsistenz von Pasten haben, ist es für gewöhnlich am einfachsten, sie aufzustreichen. Aber wenn die Produktionsmengen steigen, kann es effizienter sein, das Flussmittel durch Tauchen aufzutragen - oder indem Sie eine abgemessene Menge an hochviskosem dosierbaren Flussmittel mit einer Dosierpistole auftragen. Warum dosierbares Flussmittel? Viele Firmen stellen fest, dass reproduzierbare Auftragsmengen die Konsistenz der Lötverbindungen verbessern, und da üblicherweise weniger Flussmittel verwendet wird, verringert sich auch die Menge an Rückständen, die in die Abwässer gelangt.

Wann tragen Sie das Flussmittel auf? Üblicherweise unmittelbar vor dem Löten, falls es möglich ist. Auf die Weise besteht die geringste Gefahr, dass das Flussmittel austrocknet und abblättert oder beim Handhaben der Werkstücke abfällt. Welches Flussmittel verwenden Sie? Nehmen Sie das, welches für die speziellen Metalle, Temperaturen und Voraussetzungen Ihrer Lötanwendung zusammengestellt wurde. Flussmittel gibt es für praktisch jeden Bedarf - Flussmittel zum Löten bei sehr hohen Temperaturen (im Bereich von 2000°F/1093°C), Flussmittel für Metalle mit hitzebeständigen Oxiden, Flussmittel für lange Aufheizphasen und Flussmittel für eine automatische Dosierung. Glücklicherweise wird Ihr Lagerhaltungsproblem durch die Verfügbarkeit von Universal-Flussmitteln erheblich verringert, wie etwa Handy Flux von Handy & Harman, das für die meisten üblichen Lötarbeiten geeignet ist (Eine Tabelle mit den Flussmitteln von Handy & Harman/Lucas-Milhaupt finden Sie auf Seite 40). Unser technischer Berater kann Ihnen alle Ihre möglichen Fragen beantworten und bei der Auswahl helfen. Wieviel Flussmittel setzen Sie ein? Genug, damit es für die gesamte Aufheizphase reicht. Denken Sie daran, dass die Aufheizphase um so länger dauert, je größer und schwerer die zu verlötenden Werkstücke sind - nehmen Sie dann also mehr Flussmittel (Leichtere Werkstücke werden natürlich schneller heiß und benötigen also weniger Flussmittel). Die Faustregel lautet: Sparen Sie nicht am Flussmittel. Es ist Ihre Absicherung gegenüber Oxidbildung. Betrachten Sie das Flussmittel als eine Art Löschblatt. Es absorbiert Oxide, wie ein Schwamm Wasser aufsaugt. Eine unzureichende Menge an Flussmittel ist schnell gesättigt und verliert an Wirksamkeit. Ein Flussmittel, das weniger Oxide aufgenommen hat gewährleistet nicht nur ein bessere Verbindung als ein vollkommen gesättigtes Flussmittel, sondern ist nach der Fertigstellung der Lötverbindung auch leichter abzuwaschen. Das Flussmittel kann auch als Temperaturanzeiger dienen, wodurch die Gefahr, die Fügeteile zu überhitzen, minimiert wird. Handy Flux von Handy & Harman wird zum Beispiel bei einer Temperatur von 1100°F/593°C vollkommen klar und aktiv. Bei dieser Temperatur sieht es wie Wasser aus und lässt die blanke Metalloberfläche durchscheinen - woran Sie erkennen können, dass das Grundmetall gerade heiß genug ist, um das Lot zu schmelzen.

Temperatur

Aussehen des Flussmittels

212°F (100°C)

Wasser siedet ab.

600°F (315° C)

Das Flussmittel wird weiß und leicht blasig und beginnt zu "arbeiten".

800°F (425°C)

Das Flussmittel breitet sich auf der Oberfläche aus und hat ein milchiges Aussehen.

1100°F (593°C)

Das Flussmittel ist völlig klar und aktiv und sieht wie Wasser aus. Darunter ist die blanke Metalloberfläche zu sehen. Prüfen Sie an diesem Punkt die Temperatur, indem Sie mit dem Lotmetall das Grundmetall berühren. Wenn das Lotmetall schmilzt, hat die Baugruppe die zum Löten richtige Temperatur erreicht.

Wir haben gesagt, dass das Auftragen eines Flussmittels ein unabdingbarer Schritt bei einem Lötvorgang ist. Dies trifft im allgemeinen zu, aber es gibt ein paar Ausnahmen von der Regel. Sie können Kupfer mit Kupfer ohne Flussmittel verlöten, indem Sie ein Lot benutzen, das speziell für diesen Zweck formuliert wurde, wie etwa Sil-Fos oder Fos-Flo 7 von Handy & Harman (Der Phosphor in diesen Lotlegierungen wirkt auf Kupfer wie ein Flussmittel). Und häufig können Sie das Flussmittel weglassen, wenn Sie die Baugruppe in einer kontrollierten Atmosphäre verlöten. Eine kontrollierte Atmosphäre ist ein Gasgemisch in einem geschlossenen Raum, üblicherweise ein Lötofen. Die Atmosphäre (etwa Wasserstoff, Stickstoff oder Formiergas) hüllt die Baugruppe vollständig ein und verhindert die Oxidbildung durch den Ausschluss von Sauerstoff. Aber selbst in einer kontrollierten Atmosphäre werden Sie feststellen können, dass eine kleine Menge Flussmittel das Benetzungsverhalten des Lots verbessert.

Schritt 4: Lötgerechte Anordnung

Die Teile der Baugruppe wurden gereinigt und mit einem Flussmittel behandelt. Nun müssen Sie sie in einer für das Löten zweckdienlichen Position fixieren. Und sie wollen sichergehen, dass sie während der Aufheiz- und Abkühlphasen in der richtigen Anordnung bleiben, so dass die Kapillarwirkung ihre Aufgabe erfüllen kann. Wenn die Form und das Gewicht der Fügeteile es zulassen, ist die einfachste Möglichkeit, sie zusammenzuhalten, die Schwerkraft.

Oder Sie können die Schwerkraft unterstützen, indem Sie zusätzliches Gewicht hinzufügen.

Wenn Sie eine ganze Anzahl von Baugruppen zu verlöten haben und ihre Gestaltung zu komplizert ist für einen selbsttragenden Aufbau oder eine Klemmbefestigung, ist vielleicht eine Befestigung durch eine Lötstütze empfehlenswert. Bei der Planung einer solchen Befestigung sollten Sie die kleinstmögliche Masse anstreben sowie minimalen Kontakt mit den Teilen der Baugruppe (Eine sperrige Befestigung, die großflächige Kontakte mit der Baugruppe bildet, führt die Wärme vom Bereich der Lötstelle ab). Verwenden Sie punktförmige und scharfkantige Konstruktionen, um die Kontaktflächen auf ein Minimum zu reduzieren.

Versuchen Sie bei Ihren Befestigungen Materialien einzusetzen, die schlechte Wärmeleiter sind, wie zum Beispiel Edelstahl, Inconel oder Keramik. Da es sich hierbei um schlechte Leiter handelt, ziehen sie die geringste Wärme von der Lötstelle ab. Nehmen Sie Materialien mit verträglichen Ausdehnungsgeschwindigkeiten, so dass Sie während der Aufheizphase keine Verschiebungen in der Baugruppenanordnung erhalten. Falls Sie allerdings planen, hunderte von gleichartigen Baugruppen zu verlöten, dann sollten Sie sich damit befassen, die Fügeteile selbst so zu gestalten, dass sie sich während des Lötvorgangs selbst tragen. Entwerfen Sie zu Beginn der Planung mechanische Vorrichtungen, die diesen Zweck erfüllen, und die in den Herstellungsprozess einbezogen werden können. Typische Ausführungen sind u.a. Crimpen, Verzahnen, Gesenkschmieden, Kalthämmern, Nieten, Pinning, Kräuseln oder Rändeln. Scharfe Kanten sollten bei solchen mechanisch zusammengehaltenen Baugruppen minimalisiert werden, da solche Kanten die Kapillarwirkung behindern können. Kanten sollten leicht abgerunden werden, um den Lotfluss zu unterstützen.

Die einfachste mechanische Haltevorrichtung ist die beste, da ihre einzige Funktion darin besteht, die Fügeteile zusammenzuhalten, während die dauerhafte Verbindung durch das Löten erzeugt wird.

Schritt 5: Das Verlöten der Baugruppe.

Der fünfte Schritt ist die eigentliche Herstellung der Lötverbindung. Dazu gehören das Erhitzen der Baugruppe bis zur Löttemperatur und das Fließen des Lots in die Lotfüge. Zunächst der Aufheizvorgang. Wie wir gesehen haben, wenden Sie beim Hartlöten die Hitze großflächig auf die Grundmetalle an. Wenn Sie eine kleine Baugruppe verlöten, können Sie die gesamte Anordnung bis zum Fließpunkt des Lots erhitzen. Wenn Sie eine große Baugruppe verlöten, erhitzen sie einen weiten Bereich um die Lötstelle herum. Die beim Verlöten einer einzelnen Baugruppe am häufigsten eingesetzte Aufheizmethode ist der handgeführte Lötbrenner. Eine Vielfalt an Brennstoffen ist verfügbar - Erdgas, Acetylen, Propan, Propylen usw., die in Gegenwart von entweder Sauerstoff oder Luft verbrannt werden (Am weitesten verbreitet ist nach wie vor die Acetylen-Sauerstoff-Mischung). Alles, was Sie beachten müssen ist, dass beide Metallteile in der Baugruppe so gleichmäßig wie möglich aufgeheizt werden sollten, so dass sie die Löttemperatur gleichzeitig erreichen können. Wenn Sie ein schweres Segment mit einem schmalen Segment verlöten, kann der "Streueffekt" der Flamme genügen, um das schmale Teil aufzuheizen. Halten Sie den Brenner die ganze Zeit über in Bewegung und heizen Sie den Lötbereich nicht direkt auf. Wenn Sie schwere Segmente verlöten, kann das Flussmittel durchsichtig werden - was bei 1100°F (593°C) geschieht - bevor die gesamte Baugruppe heiß genug ist, um das Lot aufzunehmen. Einige Metalle sind gute Wärmeleiter - und führen folglich die Wärme schneller in kühlere Bereiche ab. Andere sind schlechte Wärmeleiter und neigen leicht dazu die Wärme zurückzuhalten und zu heiß zu werden. Die guten Leiter benötigen mehr Hitze, als die schlechten Leiter, einfach deswegen, weil sie die Wärme schneller abführen.

In jedem Fall ist Ihre beste Absicherung gegen ein ungleichmäßiges Erwärmen, das Flussmittel im Blick zu behalten. Wenn das Aussehen des Flussmittels sich gleichförmig ändert, werden die Fügeteile gleichmäßig aufgeheizt, ungeachtet ihrer unterschiedlichen Massen und Wärmeleitfähigkeiten. Sie haben die Baugruppe bis zur Löttemperatur aufgeheizt. Nun sind Sie soweit, das Lot aufzutragen. Beim manuellen Löten genügt dazu, die Lotstange oder den Draht vorsichtig an die Lötstelle zu halten. Durch die Hitze der Baugruppe schmilzt ein Teil des Lots, dass dann sofort durch die Kapillarwirkung den gesamten Bereich der Lötstelle durchdringt. Um den Fluss zu verbessern empfiehlt es sich, etwas Flussmittel auf das Ende der Lotstange - etwa 2" bis 3" (51 mm bis 76 mm) - aufzutragen. Dies kann entweder durch Aufstreichen oder durch Eintauchen der Lotstange in das Flussmittel bewerkstelligt werden.. Bei größeren Teilen, die eine längere Aufheizzeit erfordern oder bei denen das Flussmittel mehr mit Oxiden gesättigt wurde, verbessert die Zugabe von frischem Flussmittel zum Lot den Fluss und das Eindringen des Lots in Bereich der Lötstelle. Allerdings gilt es, eine kleine Vorsichtsmaßnahme zu beachten. Geschmolzenes Lot neigt dazu, in Bereiche mit höheren Temperaturen zu fließen . In der aufgeheizten Baugruppe können die Außenflächen des Grundmetalls etwas heißer sein, als die Innenflächen der Lötfuge. Achten Sie also darauf, das Lot unmittelbar neben die Lötfuge zu platzieren. Wenn Sie es von der Lötfuge entfernt platzieren, neigt es dazu, sich über die heißen Oberflächen auszubreiten, anstatt in die Fuge zu fließen. Darüber hinaus ist es am besten, die Seite der Baugruppe zu erhitzen, die der Stelle, an der Sie das Lot zuführen wollen, gegenüberliegt. In dem oben genannten Beispiel erhitzen Sie die Unterseite des größeren Blechs, so dass die Hitze das Lot vollständig in die Fuge zieht (Denken Sie immer daran - das Lot neigt dazu, in Richtung der Wärmequelle zu fließen). Und wenn Sie Preforms verwenden - Schmelzperlen, Unterlegscheiben, Futterbleche oder speziell geformte Zusatzwerkstoffe - platzieren Sie diese an der Lötstelle, bevor Sie die Baugruppe erhitzen.

Schritt 6: Reinigen der Lötverbindung

Nachdem Sie die Baugruppe verlötet haben, müssen Sie sie reinigen. Und das Reiningen erfolgt üblicherweise in zwei Schritten. Erstens - Entfernung der Flussmittelrückstände. Zweitens - Abbeizen, um alle Oxidkrusten zu entfernen, die sich während des Lötvorgangs gebildet haben. Die Entfernung von Flussmittel ist ein einfacher aber unerlässlicher Arbeitsschritt (Flussmittelrückstände wirken chemisch korrodierend und können bestimmte Lötverbindungen schwächen, wenn sie nicht entfernt werden). Da die meisten Flussmittel wasserlöslich sind, besteht die einfachste Methode, sie zu entfernen, darin. die Baugruppe in heißem Wasser abzuschrecken (120°F/50°C oder heißer). Am besten ist es, sie einzutauchen, solange sie noch heiß ist, wobei nur sicher zu stellen ist, dass das Lot vor dem Abschrecken vollständig erhärtet ist. Für gewöhnlich platzen die glasartigen Flussmittelrückstände auf und blättern ab. Sollten sie sich etwas störrisch verhalten, bürsten Sie sie leicht mit einer Drahtbürste ab, wenn sich die Baugruppe noch in dem heißen Wasser befindet.. Sie können auch ausgefeiltere Methoden der Flussmittelentfernung einsetzen - ein Ultraschallreingungsbad, um die Wirkung des heißen Wassers zu beschleunigen oder Frischdampf.


Schwierigkeiten beim Entfernen des Flussmittels treten eigentlich nur dann auf, wenn Sie anfangs nicht genug davon verwendet haben oder wenn Sie während des Lötvorgangs die Fügeteile zu stark erhitzt haben. Dann sättigt sich das Flussmittel vollständig mit Oxiden und wird gewöhnlich grün oder schwarz. In diesem Fall muss das Flussmittel mit einer schwachen Säurelösung entfernt werden. Ein 25%iges Salzsäurebad (auf 140- 160°F/60-70°C erwärmt) löst normalerweise die hartnäckigsten Flussmittelreste. Bewegen Sie einfach die verlötete Baugruppe für 30 Sekunden bis 2 Minuten in dieser Lösung. Ein Abbürsten ist nicht erforderlich. Ein Wort der Vorsicht, allerdings - Säurelösungen haben es in sich, wenn Sie also heiße verlötete Baugruppen in einrm Säurebad abschrecken, achten Sie unbedingt darauf, einen Gesichtsschutz und Handschuhe zu tragen. Nachdem Sie das Flussmittel beseitigt haben, verwenden Sie eine Beizlösung, um alle Oxide zu entfernen, die in Bereichen zurückgeblieben sind, die während des Lötvorgangs nicht durch das Flussmittel geschützt waren. Die am besten zu verwendende Beize ist für gewöhnlich die vom Hersteller des von Ihnen verwendeten Lötmaterials empfohlene (Siehe dazu die Empfehlungen für Beizlösungen von Handy & Harman). Hoch oxidierende Beizlösungen, wie salpetersäurehaltige Beizbäder, sollten vermieden werden, da sie das Silberlot angreifen. Wenn Sie es für erforderlich halten, sie zu benutzen, sollten Sie die Beizzeit sehr kurz halten. Nachdem Sie das Flussmittel und die Oxide von der verlöteten Baugruppe entfernt haben, ist meistens keine weitere Oberflächenbehandlung erforderlich. Die Baugruppe ist gebrauchsfertig oder kann galvanisch veredelt werden. In den wenigen Fällen, in denen Sie eine ultrareine Oberfläche benötigen können Sie diese erlangen, indem Sie die Baugruppe mit feinem Schleifpapier polieren. Wenn die Baugruppen für einen späteren Gebrauch gelagert werden sollen, versehen Sie sie mit einem leichten Rostschutzüberzug, indem Sie dem letzten Spülwasser ein wasserlösliches Öl zufügen.

Die Grundschritte beim Löten

  1. Sorgen Sie für Passform und Abstand
  2. Reinigen Sie das Metall
  3. Vor dem Löten Flussmittel auftragen
  4. Fixierung der Fügeteile
  5. Verlöten der Baugruppe.
  6. Reinigen der neuen Lötverbindung

Verborgene Schätze in Ihrem Abfall

Ein letztes gibt es noch, das Sie bei Ihren Reinigungs- und Endfertigungsarbeiten mit berücksichtigen sollten - der mögliche Restwert Ihre Lötabfälle. Hartlotmetalle können Silber enthalten, häufig in recht großen Mengenanteilen. Und das gilt auch für die Lotabfälle. Und dieses Silber lässt sich zu günstigen Kosten wiedergewinnen. Es ist kaum zu glauben, dass die Menge an Abfällen, die sie während Ihrer Lötarbeiten erzeugen, groß genug ist, um eine Bergung zu rechtfertigen. Aber denken Sie einmal über diese wahre Geschichte nach ... Einem Handy & Harman Kundenberater für Löttechnik, der Untersuchungen über Abfallverwertung anstellte, wurde von einem Fabrikleiter mitgeteilt: "Wir haben keinerlei Lötabfälle. Wir heften die Stummel der Lotstangen und die Enden der Spulen zusammen und brauchen sie auf." Der Kundenberater bemerkte jedoch einige Tropfen Lotmetall, die an den Halterungen des Förderbands einer Lötanlage hingen. Er entnahm einige Proben für Laboruntersuchungen. Einige Wochen später überreichte er dem Fabrikleiter eine blanke Scheibe aus reinem Silber.. Das Silber war aus den paar "wertlosen" Tropfen gewonnen worden. Hinfort wurden die Haltevorrichtungen des Förderbandes regelmäßig gereinigt - und jedes Stückchen Abfall wegen seines Silberwerts gesammelt. Die Tropfen an den Haltevorrichtungen von Förderbändern sind nur eine Quelle für wiedergewinnbares Silber. Es gibt noch mehr. Nehmen wir z.B. an, Sie schneiden Lötstreifen manuell zurecht, um maßgeformte Futterbleche zum Verlöten von Hartmetall-Werkzeugbestückungen herzustellen. Der Silbergehalt des übriggebliebenen Abfalls ist genauso hoch wie der der Lotbleche selbst. Je nach Art Ihrer Lötarbeiten besteht immer die Möglichkeit, dass Sie genug Abfall erzeugen, um das Sammeln über einen gewissen Zeitraum zu einer lohnenden Angelegenheit zu machen. Tatsache ist: Der Aufschluss von Lotabfällen kann häufig die Kosten von Lötarbeiten erheblich reduzieren. Ihr Handy & Harman/ Lucas-Milhaupt-Kundenberater kann Ihnen helfen, die '"verborgenen Schätze" in Ihren Betrieb aufzuspüren und das beste Wiedergewinnungsverfahren umzusetzen.

Zurechtrücken des Bildes

Wir haben die sechs Grundschritte diskutiert, die ein sachgerechtes Lötverfahren erfordert. Und wir sind ziemlich weit in die Details gegangen, um so viele Informationen wie möglich zu vermitteln. Um ein stimmigeres Bild vom Lötvorgangs im Ganzen zu erhalten, ist es wesentlich festzustellen, dass diese Schritte bei der alltäglichen Lötarbeit sehr schnell ausgeführt werden. Nehmen Sie zum Beispiel den Reinigungsprozess. Fabrikneue Metallteile benötigen möglicherweise überhaupt keine Reinigung. Falls doch, erledigt ein kurzes Eintauchen in eine entfettende Lösung - dutzende Teile gleichzeitig - die Aufgabe. Das Auftragen des Flussmittels erfordert normalerweise nicht mehr, als ein schnelles Betupfen mit einem Pinsel oder das Eintauchen eines Fügeteils mit einem Ende in das Flussmittel. Das Erhitzen kann häufig innerhalb von Sekunden mit einem Acetylen-Sauerstoff-Brenner bewerkstelligt werden. Und das Lot zum Fließen zu bringen geschieht dank der Kapillarwirkung praktisch augenblicklich. Die Entfernung des Flussmittels, schließlich, ist nicht mehr als ein Abspülen mit heißem Wasser und die Beseitigung von Oxiden verlangt lediglich ein Eintauchen in ein Säurebad Natürlich gibt es Ausnahmen von der Regel, aber in den meisten Fällen ist eine Lötverbindung schnell hergestellt - beträchtlich schneller als eine geradlinige Schweißverbindung. Und wie wir später sehen werden, vervielfachen sich diese Einsparungen an Zeit und Arbeit mehrfach bei einer Massenproduktion durch automatisiertes Löten. Die reine Geschwindigkeit des Lötens ist eines der wichtigsten Vorteile als Metallfüge-Prozess.